Urtica dioica Familie: Nesselgewächse (Urticaceae)

Große Brennnessel

Große Brennnessel
Illustration: Kristina Busch

Pflanzengeflüster

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut – alle oberirdischen Teile, Früchte/Samen und Wurzeln

Für Sebastian Kneipp (1821-1897) ist die Brennnessel eine der wichtigsten Heilpflanzen. Er schreibt: „Die Brennnessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert. Frische Brennnesseln, vom Standorte gerade weggenommen, gedörrt und zu Tee verwendet, lösen die Verschleimungen in Brust und Lunge, reinigen den Magen von verlegenen Stoffen, wirken auf die Nierenfunktion. Ein Tee von Brennnesselwurzeln räumt […] mit faulen Säften im Innern gründlich auf!“ Und auch Maria Treben (1907-1991), die Entdeckerin des Schwedenbitters, schrieb: „Die Brennessel ist unsere beste blutreinigende und gleichzeitig blutbildende Heilpflanze.“

Die Blätter der Brennnessel schmecken in Smoothies, Suppen, Soßen, Quiches, Salaten, Brot und Brötchen, zu Gemüse und als Spinatersatz. Somit können sie auch in der Küche ihre gesundheitsfördernde und entschlackende Wirkung entfalten. Die Samen, in einer trockenen Pfanne kurz geröstet, können jeden Salat bereichern. Die Heilkraft der Brennnessel kann äußerlich und innerlich als Saft, Tee, Tinktur und Badezusatz oder durch die Nesselruten zur Anwendung kommen.

Zudem enthalten die Samen viel Linolsäure – aus ihnen kann ein Brennnesselsamenöl gewonnen werden. Das Öl hat ein leicht nussiges Aroma und kann als Speiseöl genutzt werden Außerdem eignet es sich zur inneren und äußeren Anwendung besonders für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen wie Gicht und Rheumatismus. Brennnesseltee fördert die Harnmenge und lindert dadurch Blasen- und Nierenentzündungen. Die Tinktur kann man gegen Haarausfall und Kopfschuppen einmassieren. Die Einnahme einer Tinktur aus der Wurzel soll bei Prostatabeschwerden helfen. Eine Verwechslung mit nicht blühenden Taubnessel-Arten (Lamium spec.) und der Nesselblättrigen Glockenblume (Campanula trachelium) ist möglich – diese besitzen jedoch keine Brennhaare.

Brennnessel Frischkäse

100 g junge Brennnesselblätter

200 g Frischkäse

2 bis 3 Knoblauchzehen

Spritzer Zitronensaft

Salz, Pfeffer

Die Brennnesseln kurz mit der Hilfe eines Siebes in kochendes Wasser tauchen, gut abtropfen lassen und fein hacken. Knoblauch pressen oder hacken. Alles vermischen mit dem Frischkäse und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Botanische Eckdaten

bevorzugt feuchte, stickstoffreiche Böden; besonders gut an Bachläufen
extrem frosthart bis -35 Grad
Nordhalbkugel
Juli - Oktober
sonnig bis halbschattig

Heilwirkung

Harnwegserkrankungen, Rheuma, Arthrose, Erkältungskrankheiten, Entgiftung

Traditioneller Einsatz: Brennnessel (Urtica dioica, Urtica urens) galt als eine Pflanze, die das „Sanguis-Prinzip“ stärkt, also die Lebensenergie, Wärme und Feuchtigkeit. Die Anwendungsgebiete waren vielfältig, von Hautbeschwerden über Katarrhe der Atemwege mit viel Schleim bis zur Potenzschwäche des Mannes (Wurzeln und Samen).

Blickwinkel moderne Medizin: Der Begriff der „Blutreinigung“ ist aus moderner Sicht überholt. Gleichzeitig finden sich im verwendeten Brennesselkraut (Urtica herba) zahlreiche Inhaltsstoffe wie ungesättigte Fettsäuren, Flavonoide, Caffeoylchinsäuren, Mineralsalze, v.a. Kaliumsalze und Kieselsäure, die auf eine harntreibende und entzündungshemmende Wirkung hinweisen. In den so genannten Brennhaaren der Blätter sind biogene Amine, wie Histamin, Serotonin, Acetylcholin enthalten.

Brennnesselkraut wird unterstützend bei rheumatischen Beschwerden, zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege oder bei Nierengrieß eingesetzt. Achtung: keine Anwendung bei Wassereinlagerungen in Folge von eingeschränkter Nieren- oder Herztätigkeit.

Merkmale

30-300 cm
🌷 (gesamte Pflanze)
🍽 (essbar), ⚕ (Heilpflanze), 🔧 (Fasern, Kosmetik, Pflanzenstärkungsmittel) Der praktische Tipp: Brennnesseltee eignet sich sehr gut für eine Frühjahrskur, gerne gemischt mit Löwenzahn. Im Verhältnis 3:1 gemischt mit Pfefferminze (1 Teil) eignet sich Brennnesseltee auch unterstützend bei Blutarmut, hier gerne einen Spritzer Zitronensaft dazugeben. Brennnesseltee kann äußerlich als Spülung auch sehr gut zur Stärkung der Haare als Kur eingesetzt werden. In der Küche schmecken die jungen Brennnesselblätter lecker als Risotto. Hildegard von Bingen empfiehlt Brennnesselgemüse, ebenso Maria Treben.
Nektarquelle für Insekten und Nahrungsquelle für Vögel; Lebensraum für Raupen; Nützlingsmagnet: Marienkäfer, Wanzen und Schwebfliegen; Nahrungspflanze für Tagfalter wie Admiral und Tagpfauenauge; Vogelfutter: Die Samen sind im Spätsommer eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel
Ideale Erntezeit der Blätter vor der Blüte (März bis Juni)
. Blüten: Männliche Blüten stehen aufrecht, weibliche hängen.
 In der Küche: Die Blüten und Samen können direkt von der Pflanze gegessen werden. Geröstet entfalten sie ein besonders intensives, nussiges Aroma. Sie verfeinern Salate, Pestos oder Joghurt.

Gefährdungsstufe

* Ungefährdet

Foto: Martina Pipprich

Alle Angaben zu Kräutern wurden sorgfältig zusammengestellt, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle bereitgestellten Informationen stellen keine medizinische Beratung dar.

GOLDENE REGEL für ALLES: Nur was bekannt ist – wird gegessen! Es gilt die Regel: ein Handstrauß Wildpflanzen pro Person und Tag darf auf öffentlichem Gelände gesammelt werden. Verwenden Sie nur gewaschene Pflanzenteile, die Sie eindeutig bestimmen können – im Zweifel verzichten Sie bitte darauf.

TIPP: Ein Vorteil beim Kauf von Freiverkäuflichen Arzneimitteln aus der Apotheke und dem Facheinzelhandel besteht in der sachkundigen Beratung rund um Ihre Beschwerden.

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