Borago officinalis Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)

Borretsch

Animation: Antonia Reuter Sound: Antonia Reuter

Pflanzengeflüster

Ich bin der Borretsch – ein blau schimmerndes Blütenmeer, das von Juni bis August weithin leuchtet. Aus der Nähe betrachtet wirken meine sternförmigen, intensiv leuchtenden Blüten fast wie kleine Wesen aus einer anderen Welt. Sie nicken in dichten Büscheln nach unten, sodass man sich beinahe auf den Kopf stellen möchte, um sie richtig zu betrachten – ganz so, wie es die Bienen und Hummeln tun, die kopfüber an meinen nektarreichen Blüten hängen.

Meine bis zu etwa 60 cm hohe, einjährige Gestalt ist von feinen Borstenhaaren überzogen, die im Sonnenlicht wie ein schimmernder Nebel glitzern und mich zugleich schützen. Im Inneren meiner Blüten ragen spitze Staubgefäße und Stempel empor, umgeben von fünf zarten Blütenblättern – ein perfektes Ziel für meine wichtigsten Besucher.

Aufgrund seines hohen Nektargehalts gilt Borretsch als hervorragende Bienen- und Hummelpflanze. Zwischen Blüte und Biene besteht eine besondere Wechselwirkung: In der Blütenmitte formen die Staubblätter einen sogenannten Streukegel, in dem sich der Pollen sammelt. Erst wenn die Biene beim Nektarsammeln ihren Kopf zwischen die Staubblätter schiebt, wird der Pollen freigesetzt und die Bestäubung ermöglicht. Meine nach unten geneigten Blüten und die kompakte Blütenmitte bieten ihnen sicheren Halt. Beim Sammeln werden sie von oben mit Pollen bestäubt – ein raffiniertes System. Schmetterlinge hingegen besuchen mich seltener: Ihnen fehlt die geeignete Landefläche, und auch mein eher dickflüssiger Nektar entspricht nicht ihren Bedürfnissen.

Ein besonderes Schauspiel ist mein Farbwechsel: Junge Blüten erscheinen zunächst rosa bis violett. Mit zunehmendem Alter verändert sich der pH-Wert in den Blütenzellen – er steigt an – und die Blüten färben sich leuchtend blau. Dieser Farbwechsel steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Blüte: Während junge, rosa-violette Blüten noch vergleichsweise wenig Nektar enthalten, sind die voll entwickelten, blauen Blüten besonders reich an Nektar und Pollen. Sehr wahrscheinlich dient dieses Farbspiel als visuelles Leitsystem für Bestäuber – es zeigt ihnen, welche Blüten „lohnend“ sind und gezielt angeflogen werden sollten.

Ich bin nicht nur ein Blickfang im Garten, sondern auch ein wertvoller Begleiter für Mensch und Natur – ein stiller Helfer, der summendes Leben anzieht und gleichzeitig sanfte Kräfte in sich trägt. Die genaue Herkunft des wissenschaftlichen Namens Borago ist nicht eindeutig geklärt. Eine mögliche Erklärung führt ihn auf das spanische oder spätlateinische Wort borra zurück, das „struppiges Barthaar“ bedeutet. Daraus entwickelten sich Begriffe wie das italienische boragine und das französische bourrache, aus denen schließlich der deutsche Name Borretsch entstand.

Die Bezeichnung Gurkenkraut verdankt die Pflanze ihrem Geschmack: Sie wird traditionell beim Einlegen von Gurken verwendet und ergänzt dort das Aroma. Vermutlich gelangte der Borretsch im Mittelalter durch die Araber nach Spanien und verbreitete sich von dort aus im gesamten Mittelmeerraum. Als Kulturpflanze wurde er zunächst in Gärten angebaut und verwilderte später.

Ihr leicht gurkenartiger Geschmack macht sie zu einer beliebten Zutat in Salaten oder als gekochtes Gemüse. Zudem ist sie ein wesentlicher Bestandteil der Frankfurter Grünen Soße.

Nicht zuletzt wird die zarte, blaue Blüte des Borretschs manchmal mit der berühmten „Blauen Blume“ der Romantik in Verbindung gebracht, die als Symbol für Sehnsucht und das Streben nach dem Unendlichen gilt.

Botanische Eckdaten

Stets leicht feucht, aber gut durchlässig ist, um Staunässe zu vermeiden. Gedeiht er in fast allen Gartenböden.
Einjährige Pflanze. Die Aussaat sollte daher erst ab Ende April bis Mitte Mai erfolgen, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Er sät sich jedoch oft selbst aus, wobei die Samen im Boden überwintern.
Nordafrika, Mittelmeerraum, Vorderasien
Juni bis September
Bevorzugt einen sonnigen bis vollsonnigen Standort, gedeiht aber auch im Halbschatten.

Heilwirkung

Auch für uns Menschen habe ich einiges zu bieten. In der Volksheilkunde gelte ich als vielseitige Heilpflanze: entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, harntreibend und stimmungsaufhellend. Ich werde bei Atemwegserkrankungen, rheumatischen Beschwerden, Hautproblemen und nervösen Verstimmungen eingesetzt. Besonders wertvoll ist mein Samenöl, reich an Gamma-Linolensäure, das sich positiv auf Haut, Hormonhaushalt und Entzündungsprozesse auswirken kann.

In der Küche sind meine jungen Blätter und Blüten essbar und verleihen Speisen eine frische, gurkenähnliche Note. Doch Vorsicht: Aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe sollte ich nur in kleinen Mengen genossen werden. Für Schwangere, Stillende und Kinder ist der Verzehr nicht geeignet – hier ist mein Öl die bessere Wahl.

Merkmale

20 bis 70 cm
❀ (Blüten), 🌿 (Kraut), 🎑 (Samen) Blüten und Blätter sind essbar, sollten aber wegen enthaltener Pyrrolizidinalkaloide nur in Maßen genossen werden.
(⚕) (historisch, ohne nachweisbare Wirkung), 💐 (Zierpflanze), 🍽 (Blüten, Samen), ☠ (Giftpflanze)
In Rheinland-Pfalz: Nur kultiviert und daher nicht relevant.
Besonders junge Blätter, Blüten und Samen können für Salate, Kräuterquark oder als essbare Dekoration verwendet werden, wobei sie einen frischen, gurkenähnlichen Geschmack bieten.
Wird häufig in Blühmischungen und als Bienenweide gesät.

Gefährdungsstufe

–

Alle Angaben zu Kräutern wurden sorgfältig zusammengestellt, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle bereitgestellten Informationen stellen keine medizinische Beratung dar.

GOLDENE REGEL für ALLES: Nur was bekannt ist – wird gegessen! Es gilt die Regel: ein Handstrauß Wildpflanzen pro Person und Tag darf auf öffentlichem Gelände gesammelt werden. Verwenden Sie nur gewaschene Pflanzenteile, die Sie eindeutig bestimmen können – im Zweifel verzichten Sie bitte darauf.

TIPP: Ein Vorteil beim Kauf von Freiverkäuflichen Arzneimitteln aus der Apotheke und dem Facheinzelhandel besteht in der sachkundigen Beratung rund um Ihre Beschwerden.

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